06.04.2011

Digikids 2011: Kinder und digitale Medien – Leben im Web 2.0 - Studie und Kongress 6. - 7. April 2011

Hervorragend technisch ausgestattet, ständig digital verbunden und das ab dem 8. Lebensjahr.

Unsere „Digikids“ leben mit einer neuen Kulturtechnik. Eltern unterschätzen die Risken, Kinder & Jugendliche könnten die Chancen qualitativ intensiver nutzen.

Spielen und chatten ist das große Thema – wobei doch noch lieber in Reality!

 

Ergebnisse im Rahmen der Studie „Digikids 2011“: Österreichs Nachwuchs bestätigt die Vorliebe der Nation als Handyland – 100 % der TeilnehmerInnen haben ein Handy, spätestens seit dem 8. Lebensjahr. Dass fast alle Befragten zumindest auch eine Spielkonsole besitzen, ist ebenso bemerkenswert wie die umfangreiche Ausstattung Jugendlicher zwischen 10  und 14 Jahren mit Laptops, Webzugang und Facebook-Profilen.

 

Das Projekt

Das „Trio“ Agentur Cox Orange, Verein art & business Kulturmanagement und die Medienpädagogin Dr. Geretschlaeger wollte es genau wissen: wie erleben Kinder und Jugendliche heute in Österreich ihren digitalen Alltag, wie erfolgt die Unterstützung dabei durch Eltern und Lehrkräfte, was machen sie online?

Eine Studie und ein Fachkongress sollen Antworten geben. Der Kongress hat das Ziel, die Quint-Essenz der neuesten Studien zu erheben und Best Practice Beispiele auszutauschen, um sich fit zur Begleitung der „Digikids“ zu machen.

 

Die „Digikids 2011“-Studie

Qualitative Marktforschung einmal anders: um den digitalen Alltag von 10 bis 15-Jährigen zu simulieren, organisierte die Agentur PGM mit 63 „Digikids“ einen Open Space bzw. World Café. Sechs Themeninseln, unterstützt von jugendlichen ModeratorInnen, luden zur gemeinsamen Auseinandersetzung über soziale Netzwerke, Surfen und Spielen im Internet, Internet in der Schule, Sicherheit im Netz, die Vorbildfunktion von Role Models, Eltern und Lehrkräften ein.

 

Die Ergebnisse

 

Handy als Einstiegstool in die digitale Welt

Das Einstiegsgerät ist für die meisten Kinder ab einem Alter von etwa 8 Jahren nach wie vor das Handy. Alle 63 Kinder haben ein Handy, jedes 2. davon ist internettauglich. Für jene 38 aus der Gruppe, die über keinen eigenen Laptop verfügen, sichert es einen Basiszugang zum Internet. (Im Vergleich dazu: die aktuelle EU Kids Online-Studie mit 25.142 „Digikids“ zwischen 9 und 16 Jahren ergab, dass in Österreich 53 % das Web via Handy nutzen; in Europa sind es im Vergleich dazu nur 34 %).

Für die 10 bis 12-Jährigen steht Spielen im Internet im Vordergrund. Je älter die SchülerInnen sind, umso bedeutender wird die Kommunikation über soziale Netzwerke.

 

 

Wenige Anwendungen und Funktionen bekannt, dafür umso beliebter und intensiver

Die SchülerInnen beschränken sich auf wenige Internetseiten, nutzen diese dafür umso intensiver. Analoge Freizeitaktivitäten verlagern sich ins Netz. Generell sind es Spiele-Seiten, die in der Freizeit aufgerufen werden. Hier sind geschlechterspezifische Unterschiede erlebbar. Bei den Buben dominieren nationale und internationale Fußball-Seiten, bei den Mädchen sogenannte Girlie-Seiten zu Trend- und Lifestylethemen. Sehr häufig werden etwa laola1.at oder fanatik.com.tr einerseits und gosupermodel.de andererseits angegeben. Die Inklusion sozialer Gruppen ist weit fortgeschritten, im Hinblick auf die Intensität der Nutzung sind keine nennenswerten Unterschiede zwischen Kindern mit bzw. ohne Migrationshintergrund erkennbar, eher sind es sprachliche oder kulturell dominierte Präferenzen.

 

Role-Models und Vorbilder

Die Heranführung an digitales Know-how erfolgt in erster Linie durch die Familie. Die SchülerInnen stellen Unterschiede hinsichtlich der technischen Kompetenz, einen technischen Gender-Gap zwischen Vätern und Müttern fest. Väter kennen sich besser aus und Eltern generell eher als LehrerInnen.

 

Nutzungsintensität und Kommunikation

Etwa 50 % der teilnehmenden SchülerInnen verbringen durchschnittlich eine Stunde pro Tag im Netz.

Fast alle nutzen das Web vor allem zu Hause. 86 % meinen, nicht vom Internet abhängig zu sein und sehen sich selbst auch nicht als ständig online.  Dem gegenüber stehen die Ergebnisse des „digitalen Tagebuches“ das die TeilnehmerInnen des Open Space ausfüllten. Demnach sind über 2/3 bereits zwischen 6 und 8 Uhr morgens online, 100 % nutzen ihr Handy in der Schule und zwischen 13 und 20 Uhr sind alle mehrfach online oder digital aktiv. 80 % treffen sich jedoch nach wie vor gern persönlich mit Freunden.

 

Facebook als Renner

65 % nutzen Facebook und 57 % geben an, ein eigenes Profil zu haben. Msn, netlog, ebuddy.com und twitter liegen in der Nutzung weit hinter Facebook. Mehr als die Hälfte chattet mit Freunden aus dem nahen sozialen Umfeld, 32 % suchen gezielt Freunde, 29 % spielen Spiele und 25 % nutzen Facebook, um in Kontakt zu bleiben oder News auszutauschen. E-mails haben in der Kommunikation mit Gleichaltrigen so gut wie keine Bedeutung.  50 % kommunizieren per Handy, 30 % versenden SMS und 35 % nutzen Facebook zur Kommunikation.

 

Problembewusstsein

Bei den teilnehmenden SchülerInnen ist ein hohes allgemeines Problembewusstsein feststellbar. 53 % jener, die ein Profil im Facebook angelegt haben, geben an bereits belästigt worden zu sein, zählen jedoch auch Anstupsfunktionen von Bekannten dazu. Im Facebook wiegen sich die Kinder dieser Altersgruppe jedoch in einer Art Scheinanonymität. Man zeigt sich zwar „virtuell“ z. B. auf Facebook ohne sich viele Gedanken dazu zu machen. Fotos am Handy werden aber im Gegensatz dazu nicht gerne im persönlichen Gespräch gezeigt.

 

EU-Studie „EU Kids Online“

Wesentlich ist sicher ein Appell an die Eltern: aus der EU-Studie ist erkennbar, dass österreichische Eltern seltener denken (6 %), dass ihre Kinder negative Bilder gesehen haben, als jedoch ihre Kinder davon berichten (17 %). Eltern unterschätzen offenbar hierzulande generell negative Botschaften. 45 % der österreichischen Kids hatten bereits online-Kontakte mit Fremden, 16 % davon haben diese auch offline getroffen – dieser Wert  ist beinahe doppelt so hoch wie in Europa. Details dazu auch beim Kongress.

 

Die Studie „Digikids 2011“ und der Kongress werden unterstützt vom bm:wfj, bm:ukk, bm:wf, A1 Telekom Austria, AIT und zahlreichen Netzwerkpartnern wie der WKW, RTR, FFG, TU Wien, Saferinternet.at und der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Wien, Niederösterreich.

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