04.08.2011

Ars Electronica - Erforschung des Urknalls mit dem CERN

Linz (APA) - Die Ausstellung "Origin - Die Erforschung des Urknalls" ist am 4. August im Linzer Ars Electronica Center (AEC) als Präludium des heurigen Festivals (31. August bis 6. September) eröffnet worden. Das AEC verlässt dabei sein angestammtes Terrain und begibt sich in die Welt der Kernforschung. Hochkarätiger Partner ist das Forschungszentrum CERN, dessen Arbeit Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker und Wissenschafter Michael Doser in der Presseführung umrissen.

 

   "Ab heute gibt es eine Kulturpolitik im CERN, die Ars Electronica ist der erste Partner", verkündete der gebürtige Grazer Doser, der seit Jahren in der europäischen Organisation für Kernforschung arbeitet. Das sei ein Versuch, einen Dialog aufzubauen, die Neugierde auf das Universum auf eine andere Art darzustellen. Die Ausstellung sei ein sichtbarer Startpunkt für eine Freundschaft und auf ein paar Dinge beschränkt, so Stocker.

 

   Was ist CERN?

 

   Was das CERN überhaupt ist, was die wesentlichen Forschungsziele sind und welche Projekte gerade dort laufen, zeigt "Origin". 10.000 Menschen arbeiten in dem Kernforschungszentrum, das ein Jahresbudget von einer Mrd. Franken (907 Mio. Euro) hat. Eine Zeittafel führt vom Urknall bis zum Teilchenbeschleuniger im Jahr 2008. Mit Experimenten an dieser wohl bekanntesten Maschine der Organisation möchten die Wissenschafter das Higgs-Teilchen, das eine große Bedeutung beim Aufbau des Universums haben soll, in der Praxis nachweisen. Gelingt es nicht, muss das derzeit gültige Standardmodell der Teilchenphysik

- im AEC an einer Schautafel dargestellt - in Zweifel gezogen werden.

 

   "Origin" gibt Einblicke in das "Forschungszentrum der Menschheit", zeigt, warum so riesige Räume und Maschinen nötig sind, um dem Universum auf den Grund zu gehen, und wie wenig davon bereits bekannt ist - und das einer breiten Masse verständlich aufbereitet in Schautafeln und Kästen.

 

   Von Erdbeeren und Wassermelonen

 

   Neugierige können selbst nachstellen, was im Teilchenbeschleuniger passiert, indem sie Kugeln auf einem Tisch gegeneinanderstoßen. "Wir werfen zwei Erdbeeren aufeinander und eine Wassermelone entsteht", machte Doser ganz unwissenschaftlich deutlich, welche Energiemenge frei wird. Weil die Teilchen der entstehenden "Wassermelone" extrem schnell sind, brauche es die riesigen Maschinen. "In jeder Kollision könnte etwas Interessantes passieren, eine in 100 Milliarden ist wirklich interessant", erklärte Doser. Der Apparat versucht diese Vorgänge zu messen - bei 600 Mio. Kollisionen pro Sekunde im Teilchenbeschleuniger.

 

   Neugierde und Faszination sind Triebfedern der Forscher, die Suche nach dem Anfang, der Reiz, den Urknall erklären zu können.

"Wir versuchen Grundlagenforschung zu machen und eine Technik zu entwickeln, die über das hinausgeht, was bisher möglich war, um Forschung durchführen zu können", sagte Doser. Nützliche Dinge wie das World Wide Web kommen dabei als Nebenprodukte heraus. Ob der "grid", ein weltweiter Verbund zur Speicherung der enormen Datenmenge, die im CERN anfällt, ähnliche Wirkung hat, wird sich zeigen.

 

   Service: "Origin - Die Erforschung des Urknalls", Ausstellung im Ars Electronica Center, 5. August bis Ende des Jahres, Di, Mi, Fr 9 bis 17 Uhr, Do 9 bis 21 Uhr, Sa, So, Feiertag 10 bis 18 Uhr, während des Festivals von 31. August bis 6. September 10 bis 21 Uhr; http://www.aec.at.