21.06.2011

Linz09-Schulprojekte gehen in die Verlängerung

Linz (APA) - Mehrere im Kulturhauptstadtjahr 2009 initiierte Schulprojekte haben seither eine Fortsetzung gefunden. 2011/12 geht das größte von ihnen, "I like to move it, move it", in die Verlängerung. Die pädagogischen Leiter Erwin Dorn und Ingrid Rathner haben mittlerweile den Verein "Kukusch" (Kunst und Kultur an Schulen) gegründet und arbeiten auf dem von Linz09 aufbereiteten Boden weiter. "Uns geht es nicht um das Behübschen des Schulalltags, sondern um das Wertschätzen der Jugendlichen und um eine gewisse Irritation", so die Organisatoren im APA-Gespräch.

 

   Unter dem Titel "I like to move ist, move it" haben über 2.000 Jugendliche und 700 Lehrer in rund 90 oberösterreichischen Schulen mit professionellen Künstlerteams eigene Arbeiten auf die Beine gestellt. Mit den Restmitteln soll die Initiative nun - wenn auch in stark verkleinerter Form mit einer einstelligen Anzahl von Klassen - weitergehen. Die Grundidee des Projektes orientiert sich bewusst nicht am klassischen Schultheater. Stattdessen stellten ganze Klassen im Rahmen des regulären Unterrichts selbst eine Performance auf die Beine - ohne Vorgaben und ohne den Druck, ein bestimmtes "Produkt" abliefern zu müssen.

 

   "Kulturwochen" als Alternative zu Skikursen?

 

   Das Prinzip, dass immer eine ganze Klasse gemeinsam arbeitet und nicht nur ein Kreis von Interessierten, sei vom "System Schule" zwar nicht selten umgangen worden, bilanzieren Dorn und Rathner. Meist habe man aber sehr gute Erfahrungen gemacht. Viele Schulen hätten danach eigenständige Ideen entwickelt. "Oberösterreich hat eine gute Basis, was Kultur in Schulen angeht", so Dorn. Dennoch wünscht er sich noch mehr Platz für Kreatives und regt "Kulturwochen" beispielsweise statt Skikursen oder Schullandwochen an.

 

   Aktuell betreut Kukusch acht Projekte, mit denen der Verein bisher alle Schultypen außer den Berufsschulen ansprechen konnte - letztere sollen aber nächstes Jahr folgen. Im Rahmen der "Blickgedichte" beispielsweise haben Linzer Volksschüler Motive in ihrer Heimatstadt fotografiert und sie mit Zweizeilern versehen.

Einige Arbeiten wurden als Postkarten gedruckt. Bei "Gerettete Familiengeschichten" erforschten Jugendliche der Oberstufe anhand von Fotos und Gesprächen mit ihren Eltern, Groß- und Urgroßeltern die eigene Vergangenheit und bereiteten die Ergebnisse auf. Schüler der österreichischen Auslandsgymnasien Prag und Budapest und des BRG Traun entwickelten gemeinsam mit Künstlern eine Produktion von Elias Canettis "Komödie der Eitelkeit".

 

   Nach dem Vorbild des "Linz Atlas" der Kulturhauptstadt zeigten Kinder aus dem Stadtteil Franckviertel ihre Sicht der Vorstadt. Die Ergebnisse dieses Projektes - "Viertelwelten" - waren zuletzt im architekturforum oberösterreich (afo) zu sehen. Seit Anfang Mai köchelt die "Kultursuppe". Sie lehnt sich an das Linz09-Projekt "Zu Gast bei Stifter" an, bei dem oberösterreichische Autoren zu einer Lesung mit Verpflegung einluden. Im Schulprojekt werden Lehrer aufgefordert, aus ihrem Lieblingsbuch vorzutragen, während die Schüler Suppe löffeln, die das Kukusch-Team auf Bestellung der Klasse kocht.

 

   Wie es weitergeht, wenn die Restmittel von Linz09 aufgebraucht sind, ist noch offen. Kukusch will aber auf jeden Fall seine Arbeit fortsetzen und dafür EU-Mittel beantragen bzw. an das Land herantreten. Geldgeber werden dringend gesucht. Der Impuls, den Linz09 gesetzt hat, hat für Dorn Vorbildwirkung: "Jede andere Kulturhauptstadt müsste das erst einmal herzeigen können."

 

   Service: http://www.kukusch.at