20.10.2011

Fünfte Wiener "Game City" mit Schulschwerpunkt

Wien (APA) - Eine "hochinteressante Plattform" ist die Wiener "Game City" nicht nur für internationale Aussteller, sondern auch die heimische Spiele-Szene, ist sich Paul Pitzer sicher. Zum fünften Mal steigt an diesem Wochenende die Computer- und Konsolenspielmesse im Rathaus und lockt bei freiem Eintritt bis inklusive 24. Oktober Interessierte ebenso wie Pädagogen oder Eltern, die sich näher mit der Materie beschäftigen wollen. So wurde in diesem Jahr auch erstmals ein Schulschwerpunkt initiiert, wie Veranstalter Pitzer im APA-Gespräch betonte. Daneben gibt es die neuesten Entwicklungen am Spielesektor sowie eine begleitende Fachtagung, die die Spieleindustrie aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet.

 

   Im vergangenen Jahr konnte man mit 59.000 Besuchern einen Rekord verzeichnen. "Das ist natürlich schwer zu toppen", so Pitzer, grundsätzlich sei man aber sehr optimistisch. Auf dem Programm stehen neben aktuellen Neuerscheinungen von Ausstellern wie Electronic Arts, Nintendo, PlayStation, Ubisoft oder Xbox360 auch das Österreich-Finale der "World Cyber Games" sowie eine vom E-Sportverband Österreich veranstaltete "eSport Schulmeisterschaft".

 

   Fokus "Schule" am Montag

 

   Unterteilt ist die Messe auch in verschiedene Zonen, sodass Kinderspiele, Jugendgames und Spiele für ab 18-Jährige getrennt präsentiert werden können. Besonderen Ansturm dürfte es auf die wienXtra-Kinderzone geben: Neben Vorträgen über pädagogische Anwendungen von Spielen oder dem Thema Jugendschutz gibt es hier unterschiedlichste Stationen, die die jüngsten Gamer für die Thematik sensibilisieren sollen. Die für Schulklassen angebotenen Einheiten sind bereits ausgebucht. Am Montag steht schließlich der ganze Messebereich im Fokus "Schule".

 

   "Es ist ein großes Interesse spürbar, mit Schulklassen etwas anzuschauen", erklärte Herbert Rosenstingl von der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (BUPP) gegenüber der APA. "Normalerweise ist das mit einer Gruppe von 20 oder 30 Kindern ja schwierig umzusetzen und organisatorisch gar nicht möglich." Deshalb sei man nach mehreren Anfragen von Pädagogen auf die Idee gekommen, dafür die Infrastrukturen der "Game City" zu nutzen.

 

   Entspannte Atmosphäre in Österreich

 

   Grundsätzlich sieht Rosenstingl in Österreich "eine deutliche Beruhigung, wenn es um negative Schlagzeilen oder falsche, einseitige Schuldzuschreibungen an Computerspiele geht". Dieses Phänomen sei etwa in Deutschland noch stärker vorhanden. Hierzulande sei man "entspannter, sowohl bei Pädagogen als auch Eltern".

Letztlich sei es aber "nicht nur eine gute Nachricht", denn es gäbe noch großen Nachholbedarf bezüglich der pädagogischen Chancen, die Computerspiele bieten würden.

 

   "Das fängt in der Schule an. Die meisten Kinder spielen diese Spiele, weil sie in großartiger Art und Weise verschiedene Welten repräsentieren. Das kann ich als Lehrkraft doch aufgreifen", verwies Rosenstingl auf ungenutzte Ressourcen, die man als Pädagoge über die Thematisierung der Inhalte aufgreifen könne. Sogar Kriegsspiele würden durch Querverbindungen zum Geschichtsunterricht oder Geografie, wo man geopolitische Entwicklungen besprechen könnte, einen Mehrwert erzeugen.

 

   Spiele sind keine Babysitter

 

   Den negativen Aspekten ist sich Rosenstingl aber sehr wohl bewusst. Diesen könnte man aber durch ein paar "einfache Regeln"

hinsichtlich des Jugendschutzes entgegen wirken. Man dürfe die Spiele schlicht und einfach nicht "zu billigen Babysittern machen".

Zwischen "Angst und Gleichgültigkeit" verortet der Experte "den großen Bereich der engagierten Auseinandersetzung", den man u.a. mittels der Vorträge und Aufklärungsarbeit bei "Game City" fördern wolle.

 

   Bevor die "Game City" am Samstag ihre Türen öffnet, beginnt bereits am morgigen Freitag die "Future and Reality of Gaming"-Konferenz. Drei Tage lang widmen sich internationale Wissenschafter und Experten dem Thema "Applied Playfulness" und beleuchten Querverbindungen zwischen Medienkompetenz, Gesellschaft und Kultur. Als Keynote-Speaker konnten u.a. der Spieldesigner und Forscher Eric Zimmerman, die Medienwissenschafterin Cheryl K. Olson oder der Pädagoge Jonas Linderoth gewonnen werden. Die Vorträge aus dem Wappensaal des Rathauses können live unter

http://www.arimba.at/frog2011 verfolgt werden.

 

   Service: http://www.game-city.at; http://bupp.at/frog.