27.09.2011

Schul-Pilotprojekt zu Gewaltprävention in Oberösterreich

Linz (APA-ZukunftWissen) - Seit vier Jahren ist die Kinder- und Jugendanwaltschaft (KiJA) Oberösterreichs verstärkt im Bereich der Gewaltprävention tätig. Mit dem Schuljahr 2011/12 wird das Angebot der KiJA-Präventionsstelle um ein Gesamtpaket für Schulen ergänzt, das durch die Einbeziehung von Schulleitern, Schülern, Lehrern und Eltern das "System Schule" auf allen sozialen Ebenen erreichen will, heißt es in einer Presseaussendung der KiJA. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen zunächst ausgewählte Schulen vom Gewaltpräventionspaket profitieren, ab dem Schuljahr 2012/13 sollen weitere oberösterreichische Schulen einbezogen werden.

 

   Mit 3.802 Beratungen und Begleitungen in Einzelfällen stand die Kinder- und Jugendanwaltschaft im vergangenen Schuljahr den oberösterreichischen Kindern und Jugendlichen in Krisensituationen unterstützend zur Seite. Die Nachfrage nach Einzelfallberatungen steigt seit Jahren - gegenüber dem Vorschuljahr wurde in diesem Bereich ein Plus von 23,6 Prozent verzeichnet. Die Zunahme sei zu einem großen Teil auf den sprunghaften Anstieg bei Mobbing und Gewalt zurückzuführen, so die Einrichtung. Denn laut einer IMAS-Studie sind Schule und Schulweg Orte, an denen Gewalt - aktiv und passiv - eine Rolle spielt. Unterschätzt werde der massive Einfluss von Gewalt in den Familien auf die Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen selbst, heißt es.

 

   Am meisten Sorgen bereiten den jungen Klienten den Angaben zufolge Trennung und Scheidung der Eltern (31 Prozent), gefolgt von Mobbing und außerhäuslicher Gewalt (27 Prozent). Danach kommen mit 14 Prozent Eltern-Kind Konflikte und Erziehungsfragen, Beschwerden bzw. Vermittlungen bei Jugendwohlfahrts-Maßnahmen (sieben Prozent), sowie familiäre Gewalt und Vernachlässigung (sechs Prozent).

Sexueller Missbrauch betrifft vier Prozent, der Rest der Anfragen umfasst unterschiedliche Bereiche.

 

   Kein isoliertes Problem

 

   Mobbing- und Gewaltprävention und Intervention müssen auf möglichst vielen Ebenen ansetzen, ist die KiJA überzeugt. Je langfristiger mit dem "System Schule" - das neben Schülern, Lehrern, Eltern auch Personen wie die Sekretärin, den Buschauffeur und den Schulwart einschließt - gearbeitet werde, desto größer sei die Chance, negativen Beziehungserfahrungen in den Familien Positives entgegenzusetzen. Zahlreiche Metastudien zur Gewaltprävention und auch eine aktuelle Untersuchung aus den USA zeigten, dass die Täter von schulischer Gewalt, sofern nicht eingegriffen werde, ein vierfach erhöhtes Risiko hätten, später auch in ihren Familien Gewalt auszuüben. Gewalt wird durch die vielen Zuschauer, Wegschauer, Verharmloser und Mitmacher erst ermöglicht. Wenn es gelingt, dass die vielen "Ermöglicher" in die Verantwortung gehen und aktiv gegen Mobbing und Gewalt eingreifen, kann viel erreicht werden, so die Überzeung der KiJA.

 

   Kostenloses Angebot

 

   Das Gewaltpräventionspaket wird den Angaben zufolge im Schuljahr 2011/12 als Pilotprojekt zunächst an einigen ausgewählten Schulen unterschiedlicher Alterstufen durchgeführt, ab dem Schuljahr 2012/13 sollen weitere oberösterreichischen Schulen mitmachen. Das Angebot soll für die Schulen kostenlos sein und wird je nach konkreten Maßnahmen in Kooperation mit den Angeboten der Pädagogischen Hochschule (Lehrercoaching, Fortbildungen etc.) und den Partnerinstitutionen der "Plattform Gewaltprävention OÖ." durchgeführt.

 

   Service: www.gewaltpraevention-ooe.at; www.kija-ooe.at/ - Publikationen der KiJA: "Was tun - bei Mobbing und Gewalt im Klassezimmer?" Informationen und Anregungen für PädagogInnen; "MOGSTL greift ein" - Comic über Mobbing und Gewalt an Schulen.