01.08.2011

Schmied für Lehrer-Eignungsverfahren zu Studienbeginn

Wien (APA) - Nicht als Aufnahmeprüfung wie an den Pädagogischen Hochschulen (PH), sondern als schrittweises Verfahren im Rahmen einer Studieneingangsphase wünscht sich das Unterrichtsministerium die geplante Eignungsfeststellung für angehende Lehrer an den Universitäten. Mit Start des ersten Studiengangs im Rahmen der "PädagogInnenausbildung NEU" im Herbst 2013 soll auch die Eingangs- und Orientierungsphase anlaufen. Dabei soll im Laufe der ersten beiden Semester u.a. durch Praxis in der Schule herausgefunden werden, welche sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Student hat und wie er mit Konflikten umgeht.

 

   Sowohl der Student als auch der Lehrende kann dabei zur Erkenntnis kommen, dass keine Eignung für den Lehrerberuf besteht.

Ob das Urteil des Lehrenden dann eine Empfehlung oder verpflichtende Entscheidung sein wird, ist noch unklar, heißt es auf APA-Anfrage aus dem Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S).

 

   Geht es nach Roland Fischer, dem stellvertretenden Vorsitzender der für die Empfehlungen zur neuen Pädagogen-Ausbildung zuständigen Arbeitsgruppe, soll ein Ausschluss eines Studenten möglich sein, "wenn gravierende Punkte dafür sprechen und es nicht einvernehmlich funktioniert". "Das ist aber nur meine persönliche Meinung", so Fischer im APA-Gespräch, "die Details werden noch ausgearbeitet."

 

   Frühe "Konfrontation" mit Berufspraxis

 

   Konkret soll bereits in der Eingangsphase "eine Konfrontation mit der praktischen Tätigkeit stattfinden", meint Fischer. Dabei orientiert man sich am Beispiel der Universität Innsbruck, wo es bereits seit 2002 bei allen Lehramtsstudien eine Studieneingangsphase gibt. Bereits nach dem ersten Semester müssen die Studenten hier eine Klasse unterrichten - so erkennen sie möglichst früh, ob sie tatsächlich für den Lehrberuf geeignet sind.

 

   Derzeit gibt es Aufnahmeprüfungen nur an den PH, wo die Lehrer für Volks-, Haupt-, Sonder, Berufs- und Polytechnische Schulen ausgebildet werden. Andreas Schnider, Ex-VP-Bundesrat und Leiter der Vorbereitungsgruppe zur neuen Pädagogen-Ausbildung, hat das Fehlen von Eignungstests bei Lehramtsstudien für AHS und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) an den Universitäten wiederholt kritisiert. Das habe nämlich zur Folge, dass von den PH abgelehnte Interessenten für den Lehrerberuf sich einfach an der Uni ausbilden lassen.

 

   PH sollen Lehrermangel entgegensteuern

 

   Bildungsexperte und Buchautor Andreas Salcher bezeichnete die geplanten Eignungstests am 1. August im Ö1-"Morgenjournal" zwar als "überfällig", sieht sie aber aufgrund des drohenden Lehrermangels in Gefahr. An den PH gebe es aufgrund der kommenden Pensionierungswelle bereits massiven politischen Druck, dass möglichst viele Kandidaten genommen werden, weil man so viele neue Lehrer brauche. Dagmar Hackl, Rektorin der PH Wien, bestätigte im "Mittagsjournal", dass der drohende Lehrermangel in den kommenden Jahren durchaus "die Auslese beeinflusst". "Ich glaube, wenn der hohe Lehrerbedarf nicht wäre, würden wir wahrscheinlich einigen empfehlen, dieses Studium nicht anzunehmen", so Hackl. Gleichzeitig könnten Studienanfänger nicht wegen mangelnder sozialer und kommunikativer Fähigkeiten abgelehnt werden, bei 18- bis 19-jährigen Studienanfängern "kann und soll sich hier ja während des Studiums noch einiges ändern".