29.01.2013

Anthropologie-Säle im NHM vor Eröffnung

Wien (APA) - Nicht nur im Vergleich zu der vor eineinhalb Jahrzehnten geschlossenen Ausstellung, sondern auch auf das ganze Naturhistorische Museum bezogen, bedeutet die Neugestaltung der Anthropologie-Säle einen regelrechten Entwicklungssprung. Moderne Gestaltung und im Wortsinn technische Spielereien wie ein CSI-Computertisch werden nicht nur die Kinder unter den Besuchern faszinieren, wovon sich die Presse nun überzeugen konnte.

 

   Man bemühe sich, im Haus am Ring den "Regenbogen der Entwicklung des Lebens abzudecken", betonte NHM-Generaldirektor Christian Köberl. Und dazu gehöre eben auch die Menschwerdung. Zwei Säle mit 580 Quadratmetern mögen für eine Zeitspanne von zehn bis 15 Millionen Jahre nicht gerade üppig erscheinen, doch der zuständigen Direktorin Maria Teschler-Nicola ist dies durch die Konzentration auf die Bereiche "aufrechter Gang" und vor allem "Gehirnentwicklung", samt der Entstehung der Kommunikation, Sozialisation, Sprache und Kultur, durchaus gelungen.

 

   Verwandlung in Urmenschen

 

   Optisch sehr ansprechend, wechseln einander Fossilien mit Ganzkörperrekonstruktionen unserer Vorfahren ab. Die ältesten, erhalten gebliebenen Fußspuren eines aufrecht gehenden Menschen führen mitten durch den ersten Saal. Die Besucher können ihr eigenes Bild "morphen" und sich so in einen Urmenschen verwandeln und das ausgedruckte Ergebnis dieser Verwandlung mit nach Hause nehmen.

Mithilfe zahlreicher Tablets lassen sich einerseits Grundinformationen vermitteln, andererseits auch tiefer gehende Fragen beantworten.

 

   Das unumstrittene Highlight dürfte jedoch der sogenannte CSI-Tisch (Crime Scene Investigation, Anm.) sein. Ein virtuelles Skelett in "Lebensgröße" kann man mit verschiedenen "Instrumenten", etwa Röntgen oder Lupe, die sich per Finger über den ganzen Bildschirmbereich bewegen lassen, untersuchen. Alter, Geschlecht und etwaige Verletzungen können kleine und große Hobbyforscher so herausfinden.

 

   Zwei Mio. Euro investiert

 

   1997 waren die beiden Schausäle der Anthropologie nach Kritik vor allem an der Präsentation im ehemaligen sogenannten "Rassensaal" geschlossen worden. Die mehr als zwei Jahre der Gestaltung und die Kosten von zwei Millionen Euro scheinen gut investiert. Mit der Eröffnung am 30. Jänner werden dann die Besucher ihr Urteil abgeben können.

 

   Das NHM hofft, durch die "sanfte Erneuerung" der Dauerausstellungen und zahlreiche geplante Sonderschauen heuer seine Attraktivität weiter zu steigern. 564.000 Besucher wurden im Vorjahr gezählt, inklusive der 24.000 in der Außenstelle Narrenturm. "Ich bin froh, dass wir 2012 trotz vieler Investitionen positiv bilanzieren konnten", sagte Vizedirektor Herbert Kritscher. Ein großer Brocken der Ausgaben für die nächsten fünf Jahre wird eben der Narrenturm sein, wo neben Umgestaltungen im Inneren vor allem die Renovierung der "Außenhaut" ein absolutes Muss sei.

marg

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